Neuer Job: Worauf achten bei Auswahl des Arbeitgebers?
Neuer Arbeitgeber: Die 10 wichtigsten Punkte vor dem Jobwechsel
Zum Jahreswechsel denken viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer über einen beruflichen Neustart nach. Gerade nach einer Kündigung oder einem Aufhebungsvertrag entsteht dabei häufig Zeitdruck. Fachanwalt für Arbeitsrecht Alexander Bredereck warnt hier ausdrücklich davor, zu schnell einen neuen Arbeitsvertrag zu unterschreiben. Wer die Gelegenheit nutzt, den nächsten Arbeitgeber systematisch zu prüfen, kann spätere Enttäuschungen vermeiden. Dafür stellt Fachanwalt Bredereck ein Zehn-Punkte-Programm vor.
1. Auswahlmöglichkeiten schaffen – nicht aus Angst entscheiden
An erster Stelle sollten sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer überhaupt eine Auswahl verschaffen. Wer direkt nach dem Ausscheiden aus dem alten Job Hals über Kopf nach einer neuen Stelle greift, trifft oft keine gute Entscheidung. Eine Abfindung soll auch bewusst Zeit verschaffen, um gerade diesen Druck zu vermeiden. Diese Zeit sollte genutzt werden, um mehrere Optionen zu prüfen und die beste davon auszuwählen – nicht die erstbeste.
2. Kündigungsschutz als Grundlage aller weiteren Rechte
Der Kündigungsschutz ist der zentrale Punkt, weil er darüber entscheidet, ob Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer starke Arbeitnehmerschutzrechte haben und ob sie diese später überhaupt durchsetzen. In Kleinbetrieben mit regelmäßig höchstens zehn Vollzeit-Beschäftigten kann der Arbeitgeber ohne einen Kündigungsgrund kündigen. Das führt in der Praxis dazu, dass viele Beschäftigte auf berechtigte Forderungen verzichten, um ihren Arbeitsplatz nicht zu gefährden.
3. Kleinbetrieb: Nähe ja, Sicherheit nein
Kleinbetriebe bieten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern durchaus Vorteile: kurze Wege, persönliche Bindungen und eine familiäre Arbeitsatmosphäre. Rechtlich bleibt das Arbeitsverhältnis dort jedoch dauerhaft fragil. Gerät das Unternehmen unter Druck oder ändert sich die Einschätzung des Arbeitgebers, fehlt der arbeitsrechtliche Schutz, auf den man sich berufen könnte.
4. Gehalt nicht nur als Momentaufnahme betrachten
Viele achten beim Jobwechsel vor allem auf das Einstiegsgehalt. Entscheidend ist jedoch auch, ob es eine Perspektive für Gehaltsentwicklung gibt. Ohne klare Regelungen kann der Arbeitgeber das Gehalt über Jahre unverändert lassen. Bedingt durch die Inflation verliert das Einkommen so real an Wert – daran ändert auch ein guter Kündigungsschutz nichts.
5. Tarifbindung als Absicherung der Entwicklung
Ein anwendbarer Tarifvertrag sorgt regelmäßig für automatische Anpassungen. Tarifverhandlungen bringen Dynamik ins Gehalt und schützen vor dauerhaftem Stillstand. Für viele Arbeitnehmer ist das ein entscheidender Stabilitätsfaktor, der oft unterschätzt wird.
6. Zusatzleistungen realistisch einordnen
Steuerfreie Zusatzleistungen wirken attraktiv, dürfen aber nicht den Blick auf das Grundgehalt verstellen. Entscheidend ist, was dauerhaft bleibt. Zudem sind Zusatzleistungen häufig leichter nachverhandelbar als eine Gehaltserhöhung. Ein solides Grundgehalt bietet daher meist die bessere langfristige Absicherung.
7. Arbeitszeit und Weisungsrecht ernst nehmen
Auch eindeutig wirkende Arbeitszeiten können sich ändern. Der Arbeitgeber hat ein weitreichendes Weisungsrecht, falls der Arbeitsvertrag hier Spielräume lässt. Wer auf bestimmte Arbeitszeiten angewiesen ist, sollte prüfen, wie verbindlich sie im Arbeitsvertrag geregelt sind und ob spätere Änderungen zulässig sind.
8. Arbeitsort und Versetzungsklauseln verstehen
Mehrere Arbeitsorte oder weite Versetzungsklauseln können den Alltag erheblich belasten. Fahrzeiten zu vereinbarten Arbeitsorten gelten in der Regel nicht als Arbeitszeit. Solche Regelungen sollten vor Vertragsabschluss genau bedacht werden, da sie sich später kaum korrigieren lassen.
9. Entwicklungsmöglichkeiten und Unternehmenskultur
Ein guter Arbeitgeber bietet Perspektiven. Fortbildung, Kostenübernahme, Gehaltsentwicklung und Freistellung sind wichtige Indikatoren. Ebenso aussagekräftig ist aber auch die gelebte Unternehmenskultur: regelmäßiger Austausch, gemeinsame Treffen und transparente und wertschätzende Kommunikation wirken sich direkt auf das Arbeitsklima aus.
10. Betriebsrat, Tätigkeit und direkte Führungskraft
Ein engagierter Betriebsrat bietet zusätzlichen Schutz und Unterstützung. Auch die konkrete Tätigkeit sollte hinterfragt werden, da Stellenbeschreibungen oft sehr weit gefasst sind. Schließlich prägt die oder der direkte Vorgesetzte den Arbeitsalltag stärker als jede Unternehmensbroschüre – positiv wie negativ.
Zusammengefasst:
Brederecks Zehn-Punkte-Programm macht deutlich: Ein Jobwechsel sollte nicht nur emotional begründet sein, sondern auch strukturiert vorbereitet und umgesetzt werden. Kündigungsschutz, Entwicklungsmöglichkeiten und Vertragsdetails entscheiden darüber, ob ein neuer Job langfristig trägt. Wer diese Punkte ernsthaft prüft, reduziert das Risiko, kurze Zeit später erneut vor denselben Problemen zu stehen.