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So wirst du das schwarze Schaf im Team! (mit Psychologe Tim Viere)

20.04.2026
4min

„Schwarzes Schaf“ im Job: Wenn Teams einen Schuldigen brauchen

In vielen Unternehmen ähneln sich bestimmte Dynamiken immer wieder: Wenn etwas schiefläuft, landet die Verantwortung schnell bei einer bestimmten Person. Er oder sie ist dann „schuld“, ist immer der- oder diejenige, die den Fehler begangen hat und gilt allgemein als Verursacher für das Misslingen von Teamarbeiten. Fachanwalt Alexander Bredereck beschreibt dieses Phänomen seit Jahren als „Theorie vom schwarzen Schaf“. Gemeint ist damit ein Teammitglied, dem regelmäßig Fehler zugeschrieben werden – unabhängig davon, ob dies tatsächlich gerechtfertigt ist.

Die Rolle des „schwarzen Schafs“

Nach dieser Beobachtung entwickelt sich in Teams häufig eine Art Rollenverteilung. Eine Person gerät dabei in die Position, für Probleme verantwortlich gemacht zu werden. Wird diese Person aus dem Unternehmen entfernt, etwa durch eine Kündigung oder einen Aufhebungsvertrag, zeigt sich nicht selten, dass kurze Zeit später jemand anderes diese Rolle einnimmt.

Im Gespräch mit dem Psychologen Tim Viere wird deutlich: Gruppenprozesse führen dazu, dass sich unterschiedliche Rollen herausbilden. Neben Führung, Unterstützung oder sozialen Funktionen kann es auch eine Rolle geben, auf die negative Aspekte projiziert werden. Diese Dynamik entsteht insbesondere dann, wenn sie nicht aktiv gestaltet wird.

Auffällig ist, dass häufig Personen betroffen sind, die weniger präsent sind – etwa Teilzeitkräfte oder Mitarbeitende im Homeoffice. Wer weniger im direkten Austausch mit dem Team steht, bietet weniger Gelegenheit für persönliche Bindung. Dadurch fällt es leichter, negative Zuschreibungen zu machen und aufrechtzuerhalten.

Wie entsteht diese Dynamik?

Aus psychologischer Sicht spielt der Umgang mit Verantwortung eine zentrale Rolle. Gruppen neigen dazu, Belastungen oder Fehler nach außen zu verlagern. Anstatt Probleme gemeinsam zu analysieren und sich selbst zu reflektieren, wird eine andere Person zur Projektionsfläche.

Hinzu kommt: Wer selten im direkten Kontakt mit anderen Teammitgliedern steht, kann sich weniger gegen Vorwürfe verteidigen. Gleichzeitig fehlt es an Gelegenheiten, eigene Stärken sichtbar zu machen. Das verstärkt die negative Wahrnehmung innerhalb des Teams.

Was Betroffene tun können

Wer den Eindruck hat, in eine solche Rolle zu geraten, sollte zunächst versuchen, die eigene Position im Team aktiv zu gestalten. Dazu gehört vor allem, sich stärker in soziale und fachliche Strukturen einzubringen. Gemeinsame Projekte, direkter Austausch mit Kolleginnen und Kollegen sowie sichtbare Beiträge zur Teamarbeit können helfen, die Wahrnehmung zu verändern.

Wichtig ist auch, die eigene Rolle nicht als festgelegt zu betrachten. In unterschiedlichen Projekten können verschiedene Funktionen übernommen werden – etwa koordinierende Aufgaben, fachliche Beiträge oder unterstützende Tätigkeiten.

Warnsignale ernst nehmen

Kritisch wird es, wenn sich negative Zuschreibungen verfestigen. Wenn über längere Zeit hinweg einseitig Kritik geäußert wird oder die betroffene Person kaum noch Einfluss auf die eigene Position im Team nehmen kann, kann sich eine problematische Situation entwickeln.

Hier ist eine klare Unterscheidung wichtig: Einzelne Konflikte oder schlechte Tage sind normal. Problematisch wird es, wenn sich ein Muster etabliert und die Situation nicht mehr aus eigener Kraft verändert werden kann.

Umgang mit Konflikten im Team

Bei ersten Anzeichen kann es sinnvoll sein, das Gespräch zu suchen. Eine direkte Ansprache einzelner Kolleginnen oder Kollegen kann helfen, Missverständnisse zu klären. Dabei sollte die Kommunikation sachlich bleiben und konkrete Situationen in den Mittelpunkt stellen.

Führt dies nicht zu einer Verbesserung, kann es sinnvoll sein, den Rahmen zu erweitern, etwa durch Einbindung von Vorgesetzten. Auch hier empfiehlt es sich, auf der Sachebene zu bleiben und die Auswirkungen auf die Zusammenarbeit zu schildern, statt pauschale Vorwürfe zu erheben.

Wann externe Hilfe sinnvoll ist

Spätestens dann, wenn die Situation den Alltag erheblich belastet oder die eigene Handlungsfähigkeit eingeschränkt ist, sollte externe Unterstützung in Betracht gezogen werden, etwa durch Coaching, Beratung oder eine Supervision.

Kurz zusammengefasst:

Die Rolle des „schwarzen Schafs“ ist kein rein subjektives Empfinden; sie entsteht vielmehr aus gruppendynamischen Prozessen heraus. Umso wichtiger ist es, frühzeitig gegenzusteuern, die eigene Position aktiv zu gestalten und bei Bedarf Unterstützung zu suchen.