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Aufhebungsvertrag: Warum viele Arbeitnehmer jetzt eine höhere Abfindung verdient haben
In zahlreichen Unternehmen stehen derzeit Personalabbau und Umstrukturierungen auf der Tagesordnung. Dabei greifen viele Arbeitgeber nicht sofort zur Kündigung, sondern legen ihren Beschäftigten einen Aufhebungsvertrag vor oder machen zumindest deutlich, dass eine Trennung gewünscht ist. Nach Einschätzung des Kündigungsschutzexperten Fachanwalt Bredereck unterschätzen viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dabei den Wert ihrer eigenen Rechtsposition – und verzichten damit auf erhebliche finanzielle Vorteile.
Aufhebungsverträge statt Kündigungen
Nicht immer beginnt eine Trennung mit einem unterschriftsreifen Aufhebungsvertrag. Häufig bereiten Arbeitgeber den Weg indirekt vor. So wird etwa über geplante Stellenstreichungen informiert oder auf wirtschaftliche Schwierigkeiten hingewiesen. In anderen Fällen suchen Vorgesetzte das persönliche Gespräch und fragen vorsichtig nach, ob sich Beschäftigte nicht ohnehin beruflich verändern möchten. Erst später folgt dann ein konkretes Angebot zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses.
Andere gehen direkt vor: Arbeitnehmer erhalten einen fertig formulierten Aufhebungsvertrag und werden aufgefordert, möglichst zeitnah zu unterschreiben. Oft entsteht dabei der Eindruck, dass eine schnelle Entscheidung unumgänglich sei.
Warum Arbeitgeber diesen Weg wählen
Aus Sicht des Arbeitgebers hat ein Aufhebungsvertrag erhebliche Vorteile. Wer auf diese Weise eine einvernehmliche Beendigung erreicht, vermeidet die Kündigungsschutzklage – und damit das Risiko langer Verfahren und teurer Nachverhandlungen über eine Abfindung.
Viele Unternehmen kalkulieren dabei offenbar auch damit, dass ein Teil der Beschäftigten das Angebot vorschnell und ungeprüft annimmt. Manche Arbeitnehmer unterschreiben aus Unsicherheit, andere aus Loyalität; wieder andere möchten einen Konflikt vermeiden oder hoffen, die Sache möglichst schnell hinter sich zu bringen.
Angst und Loyalität beeinflussen die Entscheidung
Angst ist hier wohl einer der häufigsten Gründe für vorschnelle Entscheidungen. Viele Beschäftigte sorgen sich um ihre berufliche Zukunft oder fühlen sich durch die wirtschaftliche Lage unter Druck gesetzt. Hinzu kommen oft auch persönliche Bindungen zum Unternehmen, langjährige Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen oder ein gutes Verhältnis zum Vorgesetzten.
Gerade leistungsstarke Beschäftigte tun sich oft schwer damit, zu akzeptieren, dass sich ihr Arbeitgeber von ihnen trennen möchte. Wer viele Jahre engagiert gearbeitet hat, empfindet die Situation häufig als persönliche Enttäuschung und verliert dadurch den Blick auf die eigenen Verhandlungschancen.
Auch vermeintliche Freundschaften im Betrieb können Entscheidungen beeinflussen. Wer Rücksicht auf den Arbeitgeber oder den bisherigen Vorgesetzten nimmt, verzichtet möglicherweise auf Ansprüche, die ihm rechtlich zustehen, und auf Abfindungschancen, die durchsetzbar wären.
Kündigungsschutz hat einen wirtschaftlichen Wert
Entscheidend ist, den eigenen Kündigungsschutz nicht nur als Absicherung, sondern auch als wirtschaftlichen Vermögenswert zu betrachten. Wer unter das Kündigungsschutzgesetz fällt, hat meist eine deutlich stärkere Verhandlungsposition, als ihm im ersten Moment bewusst ist.
Deshalb sollte ein Aufhebungsvertrag nicht allein nach seinem Abfindungsangebot beurteilt werden. Maßgeblich sollte vielmehr der Wert des Kündigungsschutzes im konkreten Einzelfall sein und welche Ansprüche und Zahlungen sich im Rahmen einer Kündigungsschutzklage beziehungsweise von Vergleichsverhandlungen erzielen ließen.
Ein Angebot über mehrere Monats- oder sogar Jahresgehälter kann auf den ersten Blick sehr attraktiv wirken, muss aber nicht zwangsläufig den tatsächlichen Wert der eigenen Rechtsposition widerspiegeln.
Druck erkennen und richtig einordnen
Neben Angst ist auch psychologischer Druck relevant. Arbeitgeber bauen diesen häufig durch Presseberichte über Stellenabbau, wirtschaftliche Schwierigkeiten, oder über betriebsinterne Gerüchte auf. Oft wird auch angedeutet oder gesagt, dass jetzt der richtige Zeitpunkt sei, um freiwillig auszuscheiden.
Kommt es nicht zu einer schnellen Einigung, kann sich der Druck weiter erhöhen. Deshalb ist es wichtig, die Interessen beider Seiten klar voneinander zu trennen: Während der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis möglichst kostengünstig beenden möchte, verfolgt der Arbeitnehmer das Ziel, seine Ansprüche und eine möglichst hohe Abfindung durchzusetzen.
Wer sich dieser unterschiedlichen Interessen bewusst ist, kann Verhandlungen sachlicher führen und vorschnelle Entscheidungen vermeiden.
Professionelle Unterstützung stärkt die Verhandlungsposition
Arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen sind für die meisten Beschäftigten Ausnahmesituationen. Arbeitgeber hingegen haben regelmäßig Erfahrung im Umgang mit Trennungsprozessen und werden zudem meist anwaltlich beraten.
Eine frühzeitige arbeitsrechtliche Beratung, am besten durch eine spezialisierte Fachanwaltskanzlei, hilft Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, den Wert ihres Kündigungsschutzes realistisch einzuschätzen und Verhandlungen auf Augenhöhe zu führen.
Kurz zusammengefasst:
Aufhebungsverträge wirken oft wie eine unkomplizierte Lösung, können für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer jedoch erhebliche finanzielle Nachteile haben. Viele Beschäftigte unterschreiben aus Angst, Loyalität oder Zeitdruck, obwohl ihr Kündigungsschutz einen erheblichen wirtschaftlichen Wert hat. Wer seine Rechtsposition kennt und Angebote sorgfältig prüft, erreicht regelmäßig bessere Ergebnisse.