Mehr Abfindung? Diese 10 Regeln solltest du kennen!
Abfindung: Zehn goldene Regeln für den maximalen Kündigungsschutz: Wie Arbeitnehmer ihre Verhandlungsposition stärken
Eine Kündigung oder ein Aufhebungsvertrag stellt Arbeitnehmer oft vor schwierige Entscheidungen. Gerade in dieser Situation werden häufig Fehler gemacht, die später viel Geld kosten können. Der Kündigungsschutzexperte Fachanwalt Bredereck hat deshalb zehn Grundregeln zusammengestellt, die dabei helfen, den eigenen Kündigungsschutz möglichst wirksam einzusetzen und die Chancen auf eine hohe Abfindung zu verbessern. Im Mittelpunkt steht dabei ein Gedanke: Wer seine Verhandlungsposition schützt und typische Fehler vermeidet, kann deutlich bessere Ergebnisse erzielen.
1. Der Ball muss beim Arbeitgeber bleiben
Die wichtigste Regel lautet: Nicht der Arbeitnehmer sollte den Wunsch äußern, das Unternehmen verlassen zu wollen, sondern der Arbeitgeber muss die Trennung betreiben. Wer selbst signalisiert, unbedingt gehen zu wollen, schwächt seine Position erheblich. Bei einer Kündigung sollte deshalb zunächst Kündigungsschutzklage erhoben werden. Erst wenn der Arbeitgeber im Verfahren zu einer Einigung bereit ist, sollte der Arbeitnehmer über eine Abfindung sprechen.
2. Niemals allein verhandeln
Abfindungsverhandlungen sollten nicht ohne professionelle Unterstützung geführt werden. Zum einen ist es selten sinnvoll, in eigener Sache zu verhandeln; das gilt erst recht für Abfindungsverhandlungen, wo Arbeitnehmer ohnehin unter erheblichem emotionalem Druck stehen. Hinzu kommt, dass arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen Erfahrung und Verhandlungsgeschick erfordern. Eine spezialisierte anwaltliche oder fachanwaltliche Begleitung trägt deshalb regelmäßig entscheidend dazu bei, die eigenen Interessen konsequent zu vertreten und durchzusetzen.
3. Rechtsschutzversicherung rechtzeitig prüfen
Eine Rechtsschutzversicherung ist zwar keine Voraussetzung für erfolgreiche Abfindungsverhandlungen, sie schafft aber finanzielle Sicherheit. Wichtig ist, dass tatsächlich Arbeitsrechtsschutz besteht, der Versicherungsschutz auch die betroffene Person umfasst und die Beiträge ordnungsgemäß gezahlt wurden. Wer noch keine entsprechende Versicherung besitzt, sollte sich frühzeitig mit diesem Thema befassen.
4. Informationen sammeln
Informationen können den Stand in den Verhandlungen erheblich verbessern. Wer weiß, welche Angebote andere Beschäftigte erhalten haben oder welche Lösungen in vergleichbaren Fällen gefunden wurden, verfügt über eine bessere Ausgangsposition. Deshalb kann der Austausch mit Kollegen oder anderen Betroffenen hilfreich sein. Erfahrungsgemäß gilt: Informationen können sich unmittelbar auf das Verhandlungsergebnis auswirken.
5. Vorsicht bei Änderungen des Arbeitsverhältnisses
Arbeitnehmer sollten Änderungen ihres Arbeitsvertrages niemals leichtfertig akzeptieren. Gehaltskürzungen, Versetzungen oder andere Vertragsänderungen können den eigenen Kündigungsschutz beeinträchtigen. Je stärker die eigene Rechtsposition bleibt, desto besser ist regelmäßig auch die Aussicht auf eine hohe Abfindung.
6. Die Nerven behalten
Gerade nach einer Kündigung sind emotionale Reaktionen verständlich. Dennoch können Beleidigungen, Tätlichkeiten oder andere Pflichtverletzungen die eigene Position erheblich verschlechtern. Auch unüberlegte Alleingänge können später zum Problem werden. Deshalb empfiehlt es sich, Ruhe zu bewahren und schwierige Situationen möglichst professionell zu begleiten.
7. Auf Provokationen besonnen reagieren
Arbeitgeber versuchen mitunter, Konflikte weiter zu verschärfen oder den Eindruck eines endgültig zerrütteten Arbeitsverhältnisses entstehen zu lassen. Deshalb sollte man auf Provokationen möglichst ruhig und passiv reagieren. Ein sachliches und kontrolliertes Verhalten kann die eigene Position im Verfahren nur stärken.
8. Die richtige Reihenfolge einhalten
Auch die Reihenfolge der Verhandlungen spielt eine wichtige Rolle. Als Erstes sollte die Höhe der Abfindung im Mittelpunkt stehen. Erst danach folgen weitere Punkte wie die Dauer einer bezahlten Freistellung oder steuerliche Fragen. Wer zu früh über Nebenaspekte verhandelt, läuft Gefahr, das Wesentliche aus dem Blick zu verlieren.
9. Aussagen des Arbeitgebers kritisch prüfen
Steht ein Aufhebungsvertrag im Raum, wird häufig erheblicher Zeitdruck aufgebaut. Arbeitnehmer sollten sich davon nicht zu einer schnellen Unterschrift bewegen lassen. Regelmäßig verfolgt der Arbeitgeber in einer Trennungssituation in erster Linie eigene wirtschaftliche Interessen. Alle Zusagen sollten sorgfältig geprüft werden, bevor eine Entscheidung getroffen wird.
10. Der Arbeitgeber ist jetzt Verhandlungspartner – nicht Verbündeter
Während eines laufenden Trennungsprozesses verfolgen beide Seiten unterschiedliche Ziele. Der Arbeitgeber möchte den Kündigungsschutz möglichst günstig überwinden, während der Arbeitnehmer seine Rechtsposition möglichst gewinnbringend einsetzen möchte. Dieses Spannungsverhältnis sollte man bei jeder Verhandlung berücksichtigen. Wer sich dieser unterschiedlichen Interessen bewusst ist, handelt sachlicher und verbessert regelmäßig seine Chancen auf ein gutes Ergebnis.