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Kündigung wegen Krankheit – Das solltest du zur Abfindungshöhe wissen!

22.09.2025
4min

Abfindung bei Krankheit: 10 Faktoren, die über Chancen und Höhe entscheiden

Krankheit ist einer der häufigsten Konfliktursachen im Arbeitsverhältnis. Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer fragen sich zu Recht: Wie wirkt sich eine längere Erkrankung bei Abfindungsverhandlungen auf die Chancen einer Abfindung aus? Und was kann man tun, um trotz gesundheitlicher Probleme und hoher Fehlzeiten das Maximum herauszuholen? Fachanwalt Alexander Bredereck nennt zehn entscheidende Punkte:

1. Ausgangspunkt: Abfindung realistisch einschätzen

Bevor man in Verhandlungen geht, lohnt sich ein Blick auf die Ausgangslage. Abfindungsrechner und branchenspezifische Erfahrungswerte liefern eine erste Orientierung. In einigen Branchen – etwa der Automobilindustrie – sind hohe Abfindungen üblich, in anderen, wie im Gesundheitswesen, eher nicht. Wichtig: Nutzen Sie einen modernen, praxisorientierten Abfindungsrechner, und nicht einen, der lediglich die pauschale Formel „ein halbes Bruttomonatsgehalt pro Beschäftigungsjahr“ anwendet. Einen modernen, realistischeren, Abfindungsrechner finden Sie auf dieser Website.

2. Langandauernde Erkrankungen

War man in den letzten drei Jahren jeweils länger als sechs Wochen krankgeschrieben, kann der Arbeitgeber eine krankheitsbedingte Kündigung in Betracht ziehen. Das schwächt zunächst die Verhandlungsposition auf Arbeitnehmerseite, auch wenn solche Kündigungen rechtlich schwer durchzusetzen sind.

3. Häufige Kurzzeiterkrankungen

Problematischer noch als eine längere Erkrankung können viele kurze Krankheitsphasen sein, weil damit üblicherweise eine erhöhte Einschränkung des Betriebsablaufs einhergeht. Muss der Arbeitgeber immer wieder Ersatz organisieren, steigen die Kündigungsrisiken – und damit sinken die Abfindungschancen.

4. Dauerhafte Arbeitsunfähigkeit oder geringe Heilungschancen

Bei schweren oder chronischen Erkrankungen mit negativer Gesundheitsprognose wird es schwierig. Weiß der Arbeitgeber, dass die Rückkehr in den Job ausgeschlossen ist, sieht er regelmäßig keinen Grund mehr, eine Abfindung zu zahlen. Die Chancen auf eine Abfindung sind in solchen Fällen eher gering.

5. Das betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM)

Eine Kündigung wegen Krankheit ist in der Regel nur wirksam, wenn durch den Arbeitgeber zuvor ein ordnungsgemäßes BEM-Verfahren durchgeführt wurde. Wurde etwa kein BEM angeboten, bestehen sehr gute Chancen, die Kündigung erfolgreich abzuwehren – ein wichtiger Verhandlungstrumpf für die Arbeitnehmerin oder den Arbeitnehmer.

6. Wissen des Arbeitgebers über die Krankheit

Viele Beschäftigte teilen ihrem Arbeitgeber Details über ihre Erkrankung mit. Das kann sich nachteilig auswirken, besonders bei psychischen Leiden. Kennt der Arbeitgeber die Diagnose, kann er versuchen, Druck aufzubauen oder die Abfindung zu drücken. Auch Kollegen sollte man nicht zu viel über den eigenen Gesundheitszustand sagen. Was man Kollegen erzählt oder anvertraut, wird nicht selten dem Vorgesetzten weitergegeben – und damit dem Arbeitgeber.

7. Zeitdruck und Bedürftigkeit

Wer es eilig hat, etwa aus finanziellen Gründen oder wegen schwerer Krankheit, verschlechtert seine Verhandlungsposition erheblich. Arbeitgeber spüren oft solche Drucksituationen und nutzen sie in Verhandlungen aus. Geduld hingegen zahlt sich auf Arbeitnehmerseite fast immer aus.

8. Unterstützung durch Betriebsrat oder Kolleginnen und Kollegen

Solidarität im Betrieb kann ein entscheidender Faktor sein. Setzen sich Betriebsrat oder Mitarbeitende für den Betroffenen ein, erhöht das den Druck auf den Arbeitgeber – und damit die Chancen auf eine hohe Abfindung.

9. Taktik bei der Rückkehr aus Krankheit

Nach langer Krankheit kann es sinnvoll sein, zunächst an den Arbeitsplatz zurückzukehren. Arbeitgeber fürchten dann neue Ausfälle und bieten oft von sich aus eine Abfindung an. Wer vorschnell selbst eine Abfindung ins Spiel bringt, riskiert dagegen ein schlechtes Ergebnis.

10. Die richtige Eröffnungsstrategie

Gerade im Krankheitsfall kommt es auf den richtigen Einstieg in die Verhandlungen an. Ein erfahrener und auf Kündigungsschutz spezialisierter Anwalt oder Fachanwalt prüft, ob man über die Forderung nach einem leidensgerechten Arbeitsplatz oder über die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers Druck aufbauen kann. Falsche Eigeninitiativen durch die Arbeitnehmerin oder den Arbeitnehmer können die Chancen hingegen erheblich mindern.

Wichtigster Praxistipp: Frühzeitig juristischen Rat einholen

Krankheit bedeutet nicht automatisch schlechte Karten im Abfindungspoker. Wer seine Strategie klug wählt, kann auch bei langen oder häufigen Fehlzeiten viel herausholen. Wichtig ist, Fehler zu vermeiden und frühzeitig anwaltliche Unterstützung zu suchen. Fachanwalt Bredereck empfiehlt: „Warten Sie nicht, bis es zu spät ist. Je früher Sie uns einschalten, desto stärker ist Ihre Position.“