Freistellungen bei Lufthansa CityLine – TIPPS für Mitarbeiter!
Freistellung bei Lufthansa CityLine: Was Arbeitnehmer jetzt wissen und tun sollten
Die Fluglinie CityLine, eine Lufthansa-Konzerngesellschaft, stellt ihren Betrieb mit sofortiger Wirkung ein. Das berichtet das Nachtichtenportal ntv online am 17.04.2026 und beruft sich dabei auf Branchenexperten. Laut dem Fachmagazin FLUG REVUE, Bericht vom 16.04.2026, würden fast alle Mitarbeitenden im Zuge dessen von der Arbeit freigestellt. Was bedeutet das arbeitsrechtlich und wie sollten Betroffene darauf reagieren?
Freistellung ist keine Kündigung
Zunächst: Eine Freistellung ist keine Kündigung. Das Arbeitsverhältnis besteht weiter fort. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer müssen, und dürfen, keine Kündigungsschutzklage erheben, da keine Kündigung ausgesprochen wurde.
Freistellung bedeutet, dass der Arbeitgeber die Arbeitspflicht vorübergehend aufhebt. Im Gegenzug bleibt er aber verpflichtet, das Gehalt weiter zu zahlen. Alle übrigen Pflichten aus dem Arbeitsverhältnis bestehen fort – etwa das Wettbewerbsverbot.
Besonderheit im Luftverkehr: Verlust der Einsatzfähigkeit
Im Fall der CityLine ist die Situation besonders. Im Flugbetrieb reicht es nicht aus, einfach „bezahlt freigestellt“ zu sein. Pilotinnen, Piloten und weiteres Flugpersonal müssen regelmäßig fliegen, um ihre Lizenz und Einsatzfähigkeit aufrecht zu erhalten.
Fehlen diese Einsätze über längere Zeit, droht der Verlust der Qualifikation. Eine spätere Rückkehr in den Beruf wird dann nur über aufwendige und teure Requalifizierungsmaßnahmen möglich.
Damit geht das Interesse der Beschäftigten über die reine Vergütung hinaus: Es besteht ein erhebliches Interesse an tatsächlicher Beschäftigung.
Beschäftigungsanspruch: Mehr als nur ein Grundsatz
Im Arbeitsrecht gilt der grundgesetzlich geschützte Beschäftigungsanspruch, der hier, in der Luftfahrtbranche, besondere Bedeutung gewinnt.
Führt die Freistellung dazu, dass Arbeitnehmer ihre berufliche Qualifikation verlieren, kann sie unzulässig sein. Das gilt besonders dann, wenn der Arbeitgeber Alternativen hätte anbieten könnte – etwa Trainings, Simulator-Einsätze oder Beschäftigung in anderen Konzerngesellschaften.
Gerade in größeren Konzernen ist eine Weiterbeschäftigung innerhalb des Unternehmensverbunds oft möglich und zumutbar. Werden solche Optionen nicht ernsthaft geprüft, kann dies die Rechtsposition der Arbeitnehmer deutlich stärken.
Problematische Motive des Arbeitgebers
Brisant wird die Lage, wenn die Stilllegung – wie etwa von ntv berichtet – im Zusammenhang mit Arbeitskämpfen stehen könnte. Das Streikrecht ist ein grundgesetzlich geschütztes Recht. Sollte eine Freistellung als Reaktion auf einen Streik erfolgen, wäre das rechtlich sehr riskant für den Arbeitgeber.
Ob sich ein solcher Zusammenhang im Einzelfall nachweisen lässt, ist allerdings eine Frage der konkreten Beweisführung. Dennoch kann bereits der Verdacht eine erhebliche Rolle in Verhandlungen spielen und zusätzlichen Druck auf die Arbeitgeberseite erzeugen.
Was Arbeitnehmer jetzt tun sollten
Betroffene sollten keinesfalls untätig bleiben, sondern nach entsprechender anwaltlicher Beratung regelmäßig:
- Der Freistellung ausdrücklich widersprechen
- Weiterbeschäftigung aktiv einfordern
- Maßnahmen zum Erhalt der Qualifikation verlangen (z. B. Trainings, Simulatoren)
- Einsatzmöglichkeiten im Konzern konkret benennen
- Betriebsrat oder Gewerkschaft einschalten
Besonders wer rechtsschutzversichert ist, sollte sich anwaltlich beraten und diese Schritte möglichst zeitnah prüfen lassen.
Gerichtliches Vorgehen und strategische Ziele
Der Beschäftigungsanspruch kann vor Gericht durchgesetzt werden. Typischerweise wird ein Hauptantrag auf vertragsgemäße Beschäftigung gestellt. Hilfsweise kommen Anträge auf konkrete Qualifikationsmaßnahmen in Betracht.
Entscheidend ist jedoch die strategische Zielsetzung: Geht es um Weiterbeschäftigung oder um eine möglichst hohe Abfindung?
Wer eine Abfindung anstrebt, sollte konsequent Druck aufbauen und seine Rechtsposition aktiv durchsetzen. Jede Hinnahme von Nachteilen kann dort die Verhandlungsposition erheblich schwächen.
Zusätzlicher Aspekt: Zeit spielt eine entscheidende Rolle
Häufig unterschätzt wird der Faktor Zeit. Je länger Arbeitnehmer eine Freistellung widerspruchslos hinnehmen, desto schwieriger wird es, später Ansprüche durchzusetzen. Arbeitgeber könnten mit Recht vorbringen, dass kein ernsthaftes Interesse an einer Beschäftigung bestanden habe. Deshalb ist es entscheidend, frühzeitig zu reagieren. Gerade im Hinblick auf mögliche Abfindungsverhandlungen kann ein schnelles und konsequentes, anwaltlich begleitetes Vorgehen den entscheidenden Unterschied machen.
Kurz zusammengefasst:
Die Freistellung bei der Lufthansa CityLine ist nicht bloß Formsache, sondern kann für Beschäftigte existenzielle Folgen haben. Gerade im Luftverkehr steht mehr auf dem Spiel als nur das Gehalt.
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sollten ihre Rechte aktiv wahrnehmen, frühzeitig reagieren und ihre Ziele klar definieren: Weiterbeschäftigung oder eine hohe Abfindung.