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Anwaltswechsel – Diese 10 Dinge solltest du wissen!

26.07.2025
4min

Anwaltswechsel im Arbeitsrecht: Diese 10 Punkte sind wichtig

Nicht selten sind Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer während eines laufenden arbeitsrechtlichen Verfahrens mit der Arbeit ihres Anwalts unzufrieden. Die Gründe dafür sind vielfältig: mangelnde Erreichbarkeit, unklare Kommunikation oder der Eindruck, dass zu wenig für das eigene Anliegen getan wird. Doch wann ist ein Anwaltswechsel sinnvoll – und wie funktioniert er? Diese 10 Punkte sind aus unserer Sicht die wichtigsten:

1. Kommunikation statt Konfrontation Wer mit seiner Anwältin oder seinem Anwalt unzufrieden ist, sollte zunächst das Gespräch suchen. In vielen Fällen beruhen Konflikte auf Missverständnissen oder mangelnder Kommunikation. Ein Gespräch kann das Mandatsverhältnis retten – oder den Anwaltswechsel vorbereiten. Offene Worte schaffen Klarheit und verhindern unnötige Irritationen auf beiden Seiten.

2. Relevanz von Kritikpunkten einschätzen Nicht jede Unzufriedenheit rechtfertigt einen Wechsel. Ist das Problem rein organisatorischer Natur oder betrifft es den inhaltlichen Kern der Beratung? Im Arbeitsrecht zählt vor allem Fachkompetenz – weniger, ob man sich in der Kanzlei persönlich trifft oder wie schnell Rückmeldungen erfolgen. Eine sachliche Bewertung hilft, irrational-emotionale Entscheidungen zu vermeiden.

3. Fachkenntnis prüfen – Testfrage stellen Ein erfahrener Arbeitsrechtler kennt den Marktwert des Kündigungsschutzes im konkreten Fall und erklärt seine Strategie klar. Eine gute Testfrage ist: „Was machen Sie konkret in meinem Fall?“ Wer hier präzise Auskunft gibt, zeigt, dass er oder sie das eigene Vorgehen durchdacht hat. Fachliche Tiefe und rechtliches Gespür sind essenziell, gerade wenn es um wirtschaftliche Interessen und strategisches Vorgehen geht.

4. Der richtige Zeitpunkt für den Wechsel Grundsätzlich gilt: Je früher, desto besser. Besonders bei Kündigungsschutzklagen ist der Zeitpunkt entscheidend. Ist die Klage bereits eingereicht und die Drei-Wochen-Frist verstrichen, lassen sich grobe Fehler oft nicht mehr korrigieren. Möglichst früh einen neuen Anwalt einzubinden, kann spätere Nachteile verhindern.

5. Strategische Inaktivität erkennen Nicht jeder aus Mandantensicht „untätige“ Anwalt arbeitet schlecht. In Verhandlungen kann ein bewusstes Abwarten strategisch klug sein – etwa um Druck auf den Arbeitgeber aufzubauen. Dennoch sollte der Anwalt offenlegen, ob Inaktivität Teil seiner Strategie ist – oder vielleicht doch Ausdruck mangelnden Engagements oder fehlerhafter Organisation. Wer über seine Taktik nicht spricht, verliert das Vertrauen seiner Mandantschaft.

6. Vorsicht bei Druck durch den eigenen Anwalt Anwältinnen und Anwälte sollten ihre Mandantschaft niemals zu einem ungünstigen Vergleich drängen. Besteht der Eindruck, dass nicht im besten Interesse beraten wird, schädigt das das Vertrauensverhältnis – ein Wechsel kann dann sinnvoll sein. Gerade wenn der Eindruck entsteht, dass schnell „abgeschlossen“ werden soll, lohnt es sich, Alternativen zu prüfen.

7. Erreichbarkeit muss gewährleistet sein Eine ständige Nichterreichbarkeit des Anwalts ist problematisch – vor allem, wenn Fristen laufen. Zwar sind engagierte Anwältinnen und Anwälte oft stark ausgelastet, doch sollte zumindest eine Grundkommunikation möglich sein. Wer wochenlang keine Rückmeldung erhält, riskiert verpasste Fristen und Nachteile im Verfahren.

8. Kostenangst nicht zum Hindernis machen Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer befürchten Mehrkosten beim Anwaltswechsel. Mit einer guten Rechtsschutzversicherung lässt sich das meist regeln. Und auch ohne Versicherung gilt: Holt ein anderer Anwalt mehr heraus, lohnen sich mögliche Mehrkosten häufig. Wichtig ist, vorab offen über Kosten und Risiken zu sprechen.

9. Auswahl des neuen Anwalts mit Bedacht Fachliche Spezialisierung, langjährige Erfahrung im spezialisierten arbeitsrechtlichen Bereich, ein gutes Gefühl bei der Kommunikation – all das sollte bei der Auswahl des neuen Rechtsbeistands berücksichtigt werden. Eine zweite Enttäuschung lässt sich so vermeiden. Empfehlungen, Bewertungen und persönliche Gespräche helfen bei der Entscheidung.

10. So läuft der Wechsel konkret ab Zunächst empfiehlt sich ein unverbindliches Erstgespräch mit der potenziellen neuen Kanzlei – idealerweise auch kostenfrei. Wird ein Wechsel befürwortet, kündigt man das alte Mandat, meist formlos per E-Mail. Die neue Kanzlei sichtet alle Unterlagen, prüft Optimierungsmöglichkeiten und führt das Mandat im eigenen Stil weiter. Wichtig: Bei laufenden Verfahren sollten auch Fristen und Verfahrensstände mit der neuen Anwältin oder dem neuen Anwalt abgestimmt werden.

Fazit Ein Anwaltswechsel ist im Arbeitsrecht kein Makel, sondern oft der erste Schritt zu einer besseren Strategie und Lösung. Wer die genannten Punkte berücksichtigt, sichert regelmäßig nicht nur die eigenen Rechte – sondern maximiert auch die Erfolgsaussichten in einem komplexen Rechtsgebiet wie dem Kündigungsschutz. Gerade wenn es um finanzielle Abfindungen, Weiterbeschäftigung oder berufliche Zukunft geht, sollte man auf den bestmöglichen Rechtsbeistand setzen.