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Zu wenig Gehalt? Dieses Gesetz gibt dir bald Macht!

22.06.2026
4min

Mehr Gehalt: Entgelttransparenz als neues Druckmittel? Warum Arbeitnehmer künftig genauer hinschauen sollten

Die geplanten Regelungen zur Entgelttransparenz könnten die arbeitsrechtliche Praxis in den kommenden Jahren deutlich verändern. Vor allem Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die Grund zur Annahme haben, schlechter bezahlt zu werden als vergleichbare Kolleginnen oder Kollegen, könnten von erweiterten Auskunftsansprüchen profitieren. Gleichzeitig eröffnen sich dadurch neue Möglichkeiten in arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen, vor allem bei Kündigungen und Abfindungsverhandlungen.

Mehr Transparenz bei der Vergütung

Lange Zeit war es für Beschäftigte schwierig, überhaupt herauszufinden, ob sie im Vergleich zu anderen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern angemessen bezahlt werden. Zwar existieren bereits heute bestimmte Auskunftsrechte, in der Praxis sind diese jedoch oft nur eingeschränkt nutzbar.

Die Europäische Entgelttransparenz-Richtlinie verfolgt deshalb das Ziel, Arbeitnehmern einen besseren Einblick in Vergütungsstrukturen bei ihrem Arbeitgeber zu ermöglichen. Wer den Verdacht hat, für gleiche oder gleichwertige Arbeit schlechter bezahlt zu werden als andere Beschäftigte, soll künftig leichter an die notwendigen Informationen gelangen können.

Auskunftsansprüche könnten zum Standard werden

Die Bedeutung dieser neuen Reglungen geht weit über die Frage hinaus, ob einzelne Arbeitnehmer benachteiligt werden. Vielmehr könnten die Auskunftsansprüche künftig unter Umständen sogar routinemäßig geltend gemacht werden.

Denn wer Informationen über die Vergütungsstruktur eines Unternehmens erhält, kann deutlich besser einschätzen, ob weitergehende Ansprüche bestehen. Selbst wenn zunächst kein konkreter Verdacht auf eine Benachteiligung vorliegt, kann die Auskunft wichtige dahingehende Erkenntnisse liefern.

Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer entsteht dadurch ein zusätzliches Instrument, um die eigene Position gegenüber dem Arbeitgeber zu überprüfen und gegebenenfalls zu stärken.

Neue Möglichkeiten bei Kündigungen und Aufhebungsverträgen

Besonders interessant ist diese Rechtsentwicklung für Beschäftigte, die sich bereits in einem arbeitsrechtlichen Konflikt befinden. Meist geht es dabei um eine Kündigung, einen angebotenen Aufhebungsvertrag oder die Frage, ob sich eine Trennung vom Arbeitgeber gegen Zahlung einer Abfindung erreichen lässt.

Gerade in solchen Situationen kann jeder zusätzliche Anspruch die Verhandlungsposition verbessern. Wenn neben der eigentlichen Kündigungsfrage auch mögliche Vergütungsunterschiede untersucht werden, erhöht sich der Druck auf den Arbeitgeber. Denn dieser muss sich dann nicht nur mit dem Bestand des Arbeitsverhältnisses beschäftigen, sondern möglicherweise auch mit Fragen der Lohngerechtigkeit und der Vergütungsstruktur im Unternehmen.

Aus Sicht vieler Arbeitnehmer kann dies ein wichtiger zusätzlicher Verhandlungshebel sein. Je mehr rechtliche Fragen und Unsicherheiten im Raum stehen, desto eher wird der Arbeitgeber bereit sein, einer einvernehmlichen Lösung zum Vorteil des Arbeitnehmers zuzustimmen.

Arbeitgeber müssen sich auf mehr Nachfragen einstellen

Sollten die neuen Transparenzregelungen wie erwartet umgesetzt werden, werden Unternehmen ihre Vergütungssysteme genauer überprüfen müssen. Gehaltsunterschiede werden künftig stärker erklärungsbedürftig sein als bisher.

Arbeitgeber werden sich darauf einstellen müssen, dass Beschäftigte häufiger Auskünfte verlangen und bestehende Vergütungsstrukturen hinterfragen. Wer Unterschiede sachlich begründen kann, wird damit regelmäßig keine Schwierigkeiten haben. Problematisch kann es jedoch werden, wenn Vergütungsentscheidungen über Jahre hinweg wenig transparent getroffen wurden oder sich Unterschiede nicht nachvollziehbar erklären lassen.

Noch ist nicht jede Frage geklärt

Trotz der großen Erwartungen bestehen derzeit noch rechtliche Unklarheiten. Zwar sieht das Europäische Recht Transparenzpflichten vor, die innerstaatliche Umsetzung ist jedoch noch nicht vollständig abgeschlossen.

Deshalb bleibt abzuwarten, wie weit die Auskunftsansprüche im innerstaatlichen Recht der Bundesrepublik letztlich reichen und welche praktischen Folgen sich daraus ergeben. Schon jetzt zeichnet sich jedoch ab, dass das Thema Entgelttransparenz künftig eine deutlich größere Rolle spielen wird als bisher. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erhalten dadurch möglicherweise ein Instrument, das weit über die reine Auskunft über Gehälter hinausgeht.

Kurz zusammengefasst:

Die geplanten Neuerungen im Bereich der Entgelttransparenz könnten das Kräfteverhältnis zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern spürbar verschieben. Erweiterte Auskunftsansprüche ermöglichen nicht nur die Überprüfung möglicher Gehaltsunterschiede, sondern können auch in Kündigungs- und Abfindungsverfahren zusätzliche Bedeutung erlangen. Wer sich benachteiligt fühlt oder sich in einem arbeitsrechtlichen Konflikt befindet, dürfte künftig mehr Möglichkeiten haben, die eigene Position zu überprüfen und gegebenenfalls weitere Ansprüche geltend zu machen.