Youtube

Siemens Evosoft– JETZT musst du handeln!

15.06.2026
4min

Stellenabbau bei Siemens-Tochter Evosoft: So sichern Beschäftigte jetzt ihre Rechte

Der Technologiekonzern Siemens plant, seine IT-Tochter Evosoft in Deutschland zu schließen. Betreffen soll das vor allem den Standort Nürnberg mit seinen rund 320 Beschäftigten, der bis Ende 2027 aufgegeben werden soll. Aufgaben sollen in internationale Standorte verlagert oder künftig bei Siemens intern erledigt werden. Das berichtet BR24.de in einem Beitrag vom 21.05.2026. Für die betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer stellt sich nun die entscheidende Frage, wie sie sich in den kommenden Monaten verhalten sollten, um ihre Rechte, Ansprüche und Abfindungschancen bestmöglich zu sichern.

Betriebsschließung erschwert die Ausgangslage – macht sie aber nicht aussichtslos

Wird ein Betrieb vollständig geschlossen und die Arbeit ins Ausland verlagert, ist die Situation arbeitsrechtlich schwieriger als bei einer Verlagerung innerhalb Deutschlands. Während bei einem inländischen Betriebsübergang häufig weitreichende Schutzrechte bestehen, greifen diese bei einer Verlagerung ins Ausland nicht ohne Weiteres.

Dennoch ist die Situation für Beschäftigte keinesfalls aussichtslos. In der Praxis entwickeln sich Restrukturierungen oft anders als ursprünglich angekündigt. Zeitpläne verschieben sich, einzelne Bereiche bleiben bestehen oder organisatorische Änderungen eröffnen neue rechtliche Ansatzpunkte. Deshalb sollte man nie vorschnell und unüberlegt auf Ansprüche verzichten oder eine Vereinbarung mit dem Arbeitgeber unterzeichnen.

Sozialplan bietet eine Grundlage

Gemeinsam mit dem Betriebsrat sollen demnach nun sozialverträgliche Lösungen erarbeitet werden. Kommt ein Sozialplan zustande, erhalten die betroffenen Beschäftigten regelmäßig eine finanzielle Mindestabsicherung.

Ein Sozialplan schließt jedoch weitergehende Verhandlungslösungen nicht aus. Je nach Einzelfall kann es möglich sein, über die dort vorgesehenen Leistungen hinaus bessere Ergebnisse zu erzielen. Deshalb sollte der Sozialplan zwar aufmerksam verfolgt, aber nicht als endgültige Grenze möglicher Ansprüche oder Abfindungschancen verstanden werden.

Bei Kündigung oder Aufhebungsvertrag sofort handeln

Besonders wichtig wird schnelles Handeln, sobald der Arbeitgeber eine Kündigung ausspricht oder einen Aufhebungsvertrag vorlegt. Zwar gilt für die Kündigungsschutzklage grundsätzlich eine Frist von drei Wochen. Einzelne rechtliche Möglichkeiten bestehen jedoch nur in den ersten Tagen nach Zugang der Kündigung!

Wer zunächst mehrere Wochen abwartet, weil familiäre Gespräche oder Unsicherheit die Entscheidung verzögern, kann unter Umständen wichtige Rechte verlieren. Gerade bestimmte formale Einwendungen gegen eine Kündigung lassen sich später nicht mehr nachholen.

Auch organisatorische Veränderungen ernst nehmen

Nicht nur Kündigungen verdienen Aufmerksamkeit. Auch Versetzungen, die Bildung neuer Abteilungen oder andere Veränderungen der bisherigen Tätigkeit können arbeitsrechtlich bedeutsam sein.

Wer mit neuen Vertragsbedingungen oder organisatorischen Änderungen konfrontiert wird, sollte diese sorgfältig, am besten anwaltlich, prüfen lassen, bevor er zustimmt. Solche Maßnahmen können später Einfluss auf die rechtliche Bewertung einer Kündigung oder auf mögliche Abfindungschancen haben.

Jetzt schon die Rechtsschutzversicherung prüfen

Auch wenn bei Evosoft derzeit möglicherweise noch keine konkreten Maßnahmen gegenüber einzelnen Beschäftigten erfolgen, können Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Zeit sinnvoll nutzen. Besonders wichtig ist die Überprüfung der eigenen Rechtsschutzversicherung.

Dabei sollten insbesondere folgende Punkte geklärt werden:

  • Besteht überhaupt eine Rechtsschutzversicherung?
  • Ist das Arbeitsrecht mitversichert?
  • Sind alle Versicherungsbeiträge ordnungsgemäß bezahlt?

Wer bisher nicht abgesichert ist, sollte prüfen, ob der Abschluss einer Versicherung mit kurzer Wartezeit sinnvoll ist.

Informationen sammeln stärkt die Verhandlungsposition

Ebenso wichtig ist es, Entwicklungen im Unternehmen aufmerksam zu verfolgen. Informationen über geplante Maßnahmen, organisatorische Veränderungen oder den Stand der Verhandlungen mit dem Betriebsrat können später erheblichen Einfluss auf die eigene Verhandlungsposition haben.

Auch der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen kann hilfreich sein. Je besser Beschäftigte über den Ablauf der Restrukturierung informiert sind, desto besser lassen sich spätere Entscheidungen einordnen und mögliche Handlungsmöglichkeiten erkennen.

Nicht vorschnell auf Ansprüche verzichten

Auch in scheinbar aussichtslosen Situationen besteht häufig noch Verhandlungsspielraum. Wer vorschnell einen Aufhebungsvertrag unterschreibt oder davon ausgeht, dass sich gegen eine Betriebsschließung ohnehin nichts unternehmen lässt, verzichtet möglicherweise auf finanzielle Ansprüche und Abfindungschancen, die sich später hätten durchsetzen lassen können.

Deshalb empfiehlt es sich, zunächst alle Informationen zu sammeln, sich professionell beraten zu lassen, und erst auf dieser Grundlage über das weitere Vorgehen zu entscheiden.