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Mein Anwalt sagt aber was anderes…Wem soll ich glauben?

13.04.2026
4min

Anwälte widersprechen sich? So erkennen Sie, ob Sie richtig beraten sind

Wer sich nach einer Kündigung oder bei einem Aufhebungsvertrag anwaltlich beraten lässt, erlebt häufig eine irritierende Situation: Der eigene Anwalt empfiehlt ein Vorgehen – doch im Internet, etwa beim Fernsehanwalt Fachanwalt für Arbeitsrecht Alexander Bredereck, wird etwas ganz anderes gesagt. Was also tun, wenn zwei Meinungen aufeinandertreffen? Wem sollten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vertrauen?

Die Unsicherheit ist nachvollziehbar. Im Arbeitsrecht, insbesondere bei Kündigungsschutz und Abfindung, geht es oft um erhebliche wirtschaftliche Werte. Umso wichtiger ist es, die Qualität der eigenen anwaltlichen Beratung realistisch einzuschätzen.

Spezialisierung ist entscheidend

Ein zentraler Punkt ist die Spezialisierung. Kündigungsschutzverfahren und Abfindungsverhandlungen sind hochspezialisierte Rechtsbereiche innerhalb des Arbeitsrechts. Dort geht es um komplexe Themen, von der Frage, wie eine Kündigung juristisch am besten anzugreifen ist, bis zu strategischen Überlegungen, wie sich der Kündigungsschutz in Abfindungsverhandlungen wirtschaftlich optimal verwerten lässt.

Ein guter Maßstab ist daher: Beschäftigt sich der Anwalt regelmäßig und intensiv mit genau solchen Fällen? Wer über viele Jahre täglich Kündigungsschutzverfahren führt und Abfindungen verhandelt, entwickelt ein ganz anderes Gespür für Risiken, Verhandlungsspielräume und typische Arbeitgeberstrategien als jemand, der nur gelegentlich solche Mandate bearbeitet.

Die richtige Frage an den Anwalt

Ein einfacher, aber sehr aufschlussreicher Test: Fragen Sie Ihren Anwalt konkret, worum es in Ihrem Fall eigentlich geht. Eine typische Antwort könnte lauten: „Wir erheben Kündigungsschutzklage und schauen dann weiter.“ Das ist juristisch korrekt, greift aber oft zu kurz.

Erfahrene Spezialisten formulieren präziser: Es geht darum, den Kündigungsschutz möglichst gewinnbringend einzusetzen oder zu „verkaufen“ – meist für eine möglichst hohe Abfindung. Diese strategische Zielsetzung zeigt, dass der Anwalt nicht nur formal arbeitet, sondern wirtschaftlich denkt und Verhandlungen gezielt vorbereitet.

Vorsicht bei „Standardlösungen“

Ein weiteres Warnsignal sind pauschale Aussagen. Viele Anwälte orientieren sich an einfachen Faustformeln, etwa einer Abfindung von einem halben Bruttomonatsgehalt pro Beschäftigungsjahr. In der Praxis sind jedoch deutlich höhere Beträge möglich – allen voran bei guter Verhandlungsposition und hohen, realistischen Risiken auf Arbeitgeberseite.

Wer hier vorschnell zufrieden ist, verschenkt unter Umständen viel Geld. Gerade in Kündigungsschutzverfahren entscheidet meist die Verhandlungstaktik über die Höhe der Abfindung. Dazu gehört auch, den richtigen Zeitpunkt für Zugeständnisse zu wählen und Drucksituationen gezielt aufzubauen.

Die Rolle der eigenen Unsicherheit

Ein oft unterschätzter Faktor ist die eigene Unsicherheit. Viele Mandanten neigen dazu, den „vertrauten“ Anwalt vor Ort zu wählen – etwa auf Empfehlung von Freunden oder Verwandten. Das schafft ein gutes Gefühl, ersetzt aber nicht die Spezialisierung.

Ein Vergleich mit der Medizin liegt nahe: Bei einer komplizierten Operation würden die wenigsten zum nächstgelegenen Arzt gehen, sondern gezielt einen Spezialisten suchen. Im Arbeitsrecht sollte nichts anderes gelten, da Fehlentscheidungen schnell hohe finanzielle Nachteile nach sich ziehen können.

Vertrauen ist unverzichtbar

Am Ende bleibt ein entscheidendes Kriterium: Vertrauen. Selbst wenn die juristische Strategie objektiv sinnvoll ist – ohne Vertrauen in den eigenen Anwalt wird die Zusammenarbeit schwierig. Gerade in emotional belastenden Situationen wie einer Kündigung sollte Vertrauen die Grundlage für jede Entscheidung sein.

Bestehen an diesem Vertrauen ernsthafte Zweifel, kann ein Anwaltswechsel sinnvoll sein. In vielen Verfahrensstadien – etwa vor oder nach dem Gütetermin – ist ein Wechsel in der Regel problemlos möglich. Auch bei Aufhebungsverträgen kann jederzeit neu entschieden werden, wenn die bisherige Beratung nicht überzeugt.

Fazit: Aktiv prüfen statt blind vertrauen

Wer zwischen widersprüchlichen Empfehlungen steht, sollte nicht vorschnell entscheiden, sondern aktiv prüfen:

  • Ist mein Anwalt auf Kündigungsschutzklagen und Abfindungsverhandlungen spezialisiert?
  • Denkt er strategisch oder nur formal?
  • Werden meine Abfindungspotenziale voll ausgeschöpft?
  • Besteht Vertrauen?

Gerade im Arbeitsrecht gilt: Die Qualität der anwaltlichen Beratung entscheidet regelmäßig über das finanzielle Ergebnis. Eine sorgfältige Auswahl zahlt sich daher in vielen Fällen buchstäblich aus. Wer sich die Zeit nimmt, Beratung kritisch zu hinterfragen und gegebenenfalls neu auszurichten, verbessert seine Chancen oft erheblich, ein optimales Ergebnis zu erzielen.