2 Jahresgehälter Abfindung für 3 Monate Arbeit? (Deutsche Bahn)
Zwei Jahresgehälter Zahlung nach drei Monaten? Wie solche hohen Summen zustande kommen
Immer wieder sorgen Berichte über außergewöhnlich hohe Abfindungen für Verwunderung. Besonders dann, wenn Führungskräfte bereits nach kurzer Zeit wieder aus dem Amt ausscheiden und Zahlungen in Millionenhöhe erhalten. Für viele wirkt es unverständlich, wie eine Abfindung von zwei Jahresgehältern möglich sein soll, wenn jemand nur wenige Monate im Unternehmen tätig war. Bei genauerem Blick zeigt sich jedoch: Solche Summen sind häufig das Ergebnis spezieller Vertragsgestaltungen im Top-Management.
Ein aktueller Fall aus der Wirtschaft zeigt exemplarisch, wie solche Konstellationen entstehen können.
Abberufung nach kurzer Zeit
Die Finanzvorständin der Deutschen Bahn sei bereits nach etwa drei Monaten im Amt im März 2026 wieder abberufen worden. Das berichtet der Tagesspiegel online am 27.02.2026. Gleichzeitig stehe ihr dem Bericht zufolge eine Abfindung in Höhe von zwei Jahresgehältern zu.
Auf den ersten Blick wirkt eine solche Zahlung ungewöhnlich hoch. Allerdings handelt es sich in solchen Fällen oft nicht um eine klassische Abfindung im arbeitsrechtlichen Sinne, sondern um eine vertraglich vereinbarte Ausgleichszahlung. Gerade bei Vorstandsposten und Geschäftsführerpositionen gelten andere rechtliche Rahmenbedingungen als im normalen Arbeitsverhältnis.
Kein Kündigungsschutz für Vorstände und Geschäftsführer
Der entscheidende Unterschied liegt in der rechtlichen Position von Vorständen und Geschäftsführern. Sie gelten nicht als Arbeitnehmer im Sinne des Kündigungsschutzgesetzes. Das bedeutet, dass sie grundsätzlich keinen gesetzlichen Kündigungsschutz genießen.
Während Arbeitnehmer nach einer Kündigung mit einer Kündigungsschutzklage reagieren können, sind Führungskräfte auf die Regelungen ihres Dienstvertrags angewiesen. Deshalb werden in Managementverträgen häufig besondere Absicherungen vereinbart.
Typischerweise schließen Vorstände oder Geschäftsführer Verträge mit fester Laufzeit, etwa über zwei oder drei Jahre. Wird ein solcher Vertrag vorzeitig beendet, kann eine Zahlung vorgesehen sein, die den finanziellen Verlust aus der restlichen Vertragslaufzeit ganz oder teilweise ausgleicht.
Vertragliche Ausgleichszahlung statt klassischer Abfindung
Die hohe Zahlung entsteht üblicherweise dadurch, dass im Vertrag eine Absicherung für den Fall einer vorzeitigen Trennung vereinbart wurde. Wenn beispielsweise ein zweijähriger Vertrag abgeschlossen wurde und die Zusammenarbeit bereits nach wenigen Monaten endet, kann der Vertrag vorsehen, dass ein Teil oder sogar die gesamte Vergütung für die restliche Vertragslaufzeit gezahlt wird.
In der öffentlichen Wahrnehmung wird dies häufig als Abfindung bezeichnet. Tatsächlich handelt es sich rechtlich eher um eine vertragliche Ausgleichszahlung für die vorzeitige Beendigung eines Dienstvertrags.
Solche Regelungen sind im Top-Management keineswegs ungewöhnlich. Sie sollen das Risiko ausgleichen, das mit einem Wechsel in eine neue Führungsposition verbunden ist.
Marktwert und Karriere-Risiko von Führungskräften
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der sogenannte Marktwert von Top-Managern. Führungskräfte in Spitzenpositionen verfügen meist über eine lange Karriere und einen aufgebauten Ruf in ihrer Branche. Wenn sie eine neue Position übernehmen, gehen sie damit immer auch ein Risiko ein.
Scheitert eine neue Tätigkeit bereits nach kurzer Zeit, kann dies negative Auswirkungen auf die weitere Karriere haben. Deshalb achten Führungskräfte darauf, dass ihr Vertrag eine gewisse finanzielle Absicherung enthält.
Ähnliche Vertragsmodelle finden sich auch in anderen Bereichen. Im Profisport etwa sind feste Vertragslaufzeiten mit Ausgleichszahlungen bei vorzeitiger Trennung seit langem üblich.
Warum Unternehmen eine schnelle Trennung akzeptieren
Auch aus Sicht des Unternehmens kann eine solche Regelung sinnvoll sein. Gerade bei wichtigen Managementpositionen kann eine Fehlbesetzung erhebliche Folgen haben. Unternehmen stehen dann vor der Entscheidung, entweder an einer problematischen Zusammenarbeit festzuhalten oder sich frühzeitig zu trennen.
In vielen Fällen entscheiden sich Unternehmen für eine schnelle Lösung. Eine frühe Trennung kann zwar Kosten verursachen, verhindert jedoch möglicherweise größere wirtschaftliche Schäden oder interne Konflikte.
Außerdem lassen sich auf diese Weise langwierige Streitigkeiten vermeiden. Eine vertraglich geregelte Zahlung ermöglicht eine relativ geräuschlose Trennung und sorgt für klare Verhältnisse.
Kurz zusammengefasst:
Abfindungen in Höhe mehrerer Jahresgehälter wirken auf den ersten Blick spektakulär – besonders wenn sie nach kurzer Beschäftigung gezahlt werden. In vielen Fällen beruhen sie jedoch auf vertraglichen Vereinbarungen, die das Risiko einer vorzeitigen Trennung absichern sollen. Gerade im Top-Management sind solche Regelungen üblich und spiegeln die besonderen rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dieser Positionen wider.