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Bekommen Highperformer/A-Mitarbeiter die höchste Abfindung?

27.07.2026
4min

Abfindung nach einer Kündigung: Warum nicht immer die besten Mitarbeiter die höchsten Chancen haben

Wer an eine hohe Abfindung denkt, vermutet oft, dass vor allem besonders erfolgreiche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in einer starken Verhandlungsposition sind. Tatsächlich ist die Lage aber differenzierter. Der Kündigungsschutzexperte Fachanwalt Bredereck sagt, dass die Erfolgsaussichten bei Abfindungsverhandlungen keineswegs allein von der Arbeitsleistung abhängen. Entscheidend ist vielmehr, wie der Arbeitgeber den jeweiligen Mitarbeiter einschätzt, wer die Trennung wünscht und welche Interessen auf beiden Seiten bestehen. Deshalb können sowohl Spitzenkräfte als auch durchschnittliche Beschäftigte gute Chancen auf eine hohe Abfindung haben – während eher leistungsschwache Arbeitnehmer trotz eines starken Wunsches nach einer Trennung meist nur schwer eine hohe Zahlung durchsetzen können.

A-Mitarbeiter sind nicht automatisch im Vorteil

Als A-Mitarbeiter werden besonders engagierte Leistungsträger bezeichnet. Sie identifizieren sich mit ihrem Unternehmen, treiben Projekte voran und gelten häufig als unverzichtbar. Dennoch können gerade solche Beschäftigten in Konflikte mit Vorgesetzten geraten. Es kommt immer wieder vor, dass Führungskräfte aus persönlichen Gründen oder aufgrund unterschiedlicher Vorstellungen eine Trennung anstreben, obwohl die fachlichen Leistungen außer Frage stehen.

Wird einem solchen Arbeitnehmer gekündigt oder ein Aufhebungsvertrag angeboten, können die Voraussetzungen für erfolgreiche Abfindungsverhandlungen sehr gut sein. Hinzu kommt, dass viele dieser Beschäftigten aufgrund ihrer Qualifikation gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Wer finanziell nicht unter erheblichem Druck steht und bereits attraktive Alternativen hat, kann Verhandlungen häufig ruhiger und strategischer führen.

Anders kann die Situation aussehen, wenn der Arbeitnehmer zwar das Unternehmen verlassen möchte, der Arbeitgeber ihn aber unbedingt halten will. Gerade bei leistungsstarken Mitarbeitern besteht oft kein Interesse daran, sie gegen Zahlung einer Abfindung ziehen zu lassen. Das kann Verhandlungen deutlich erschweren.

Warum B-Mitarbeiter häufig die besten Chancen haben

Als B-Mitarbeiter gelten Beschäftigte, die ihre arbeitsvertraglichen Pflichten zuverlässig erfüllen, ohne zu den herausragenden Leistungsträgern oder zu den Problemfällen zu gehören. Sie leisten die geschuldete Arbeit ordnungsgemäß und erfüllen die Erwartungen ihres Arbeitgebers.

Erfahrungsgemäß bieten gerade diese Arbeitnehmer häufig die günstigste Ausgangslage für Abfindungsverhandlungen. Erhält ein B-Mitarbeiter eine Kündigung oder einen Aufhebungsvertrag, besteht häufig eine gewisse Bereitschaft des Arbeitgebers, sich einvernehmlich zu trennen. Gleichzeitig ist das Interesse, den Mitarbeiter unbedingt im Unternehmen zu halten, oftmals geringer als bei einem Spitzenleistungsträger.

Selbst wenn der Wunsch nach einer Trennung vom Arbeitnehmer ausgeht, können die Chancen auf eine Einigung häufig besser sein als bei A-Mitarbeitern. Insgesamt ergibt sich dadurch eine Konstellation, in der beide Seiten eher bereit sind, einen wirtschaftlich sinnvollen Kompromiss zu schließen.

C-Mitarbeiter stehen vor besonderen Herausforderungen

Als C-Mitarbeiter gelten Beschäftigte, die dauerhaft geringe Leistungen erbringen oder durch ihr Verhalten Schwierigkeiten verursachen. Obwohl Arbeitgeber diese Arbeitnehmer häufig möglichst schnell loswerden möchten, verbessert dies ihre Verhandlungsposition nicht automatisch.

Denn obwohl eine geringe Arbeitsleistung allein regelmäßig keinen ausreichenden Kündigungsgrund darstellt, haben C-Mitarbeiter erfahrungsgemäß eher schlechtere Aussichten auf hohe Abfindungen. Der Grund liegt nur zum Teil in möglichen kündigungsrelevanten Pflichtverletzungen oder zusätzlichen Konflikten. Hinzu kommt, dass problematisches Verhalten die Zusammenarbeit mit dem eigenen Rechtsbeistand oft erschweren und ihre oder seine Verhandlungsstrategie durchkreuzen kann.

Die Ausgangslage entscheidet über den Verhandlungserfolg

Ob eine hohe Abfindung erreicht werden kann, hängt letztlich von mehreren Faktoren ab. Neben der arbeitsrechtlichen Situation spielen die Interessen des Arbeitgebers, die persönliche Verhandlungsposition und das Verhalten des Arbeitnehmers eine entscheidende Rolle. Deshalb lässt sich allein aus der Qualität der Arbeitsleistung nicht ableiten, wie erfolgreich Abfindungsverhandlungen verlaufen werden.

Kurz zusammengefasst:

Fest steht: Die größten Chancen auf eine hohe Abfindung haben nicht zwangsläufig die besten oder die schwächsten Arbeitnehmerinnen oder Arbeitnehmer. Tatsächlich verfügen häufig B-Mitarbeiter über besonders günstige Voraussetzungen, weil ihre Interessen und die des Arbeitgebers häufiger zu einer einvernehmlichen Lösung führen. A-Mitarbeiter können ebenfalls sehr gute Ergebnisse erzielen, wenn der Arbeitgeber die Trennung wünscht. C-Mitarbeiter stehen dagegen oft vor zusätzlichen Schwierigkeiten, obwohl eine geringe Arbeitsleistung allein regelmäßig keinen ausreichenden Kündigungsgrund darstellt.